auf einen Kaffee…

Löffel klappern. Dezentes Murmeln im Hintergrund. Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft. Drei Menschen am Tisch. Engagiertes Reden. In einem Café? Nein, in einer Konzernzentrale in Deutschland. Moment mal: Kaffeeklatsch?! Die Leute sind zum Arbeiten hier, nicht zum Spaß! Und doch werden in Unternehmen lauschige Kaffeebars eingerichtet. Opium fürs Volk? Es gibt Hinweise, dass es auch aus anderen Gründen sinnvoll sein könnte, denn…

…Gespräche gibt es eigentlich in jedem Unternehmen. Die Frage ist nur, welche Art Gespräch. Ist es destruktiver Flurfunk, Miesmacherei? Oder sind es Gespräche, die dem Unternehmen nützen? Wo Ideen entwickelt werden? Wo Unmögliches gewagt wird?

… (ein kleiner Strategie-Theorie-Einschub) Ich sehe Strategie als Konsistenz im Muster von Handlungen des Unternehmens (vgl. Klassiker der Management-Literatur Kenneth R. Andrews, Henry Mintzberg). Und Konsistenz der Handlungen entsteht unter anderem durch gemeinsames Verständnis (vgl. meaning making bei Anthony Giddens, sensemaking bei Karl Weick, strategic discourse in meinem Buch). (/Einschub Ende)

… der vielleicht stark strapazierte Satz “Märkte sind Gespräche” des Cluetrain Manifest ist immer noch aktuell. Wie wäre es, wenn es nicht nur eine Facebook-Seite gäbe, sondern echten Dialog, auch mit Ihren Kunden? Wenn man frühzeitig Signale des Marktes wahrnehmen würde? Günther Ortmann es nennt das “responsive Organisation”. Als Unternehmen sich selbst und seinen externen Stakeholdern zuhören können, in dynamischer Umwelt schnell antwortfähig sein und im Dialog bleiben.

Wenn die (neue?) Kunst der Führung also die Kunst der Gesprächsführung ist, warum gibt es dann trotz zahlreicher Kaffeebars, cafés, coffee points und wie sie alle heißen, bei Unternehmen aufwendige Roadshows für Veränderungen im Unternehmen – und im Endeffekt wird weitergemacht wie bisher – nach dem Motto: das kann man doch aussitzen, spätestens in zwei Jahren kommt die nächste Führungskraft mit anderen Änderungswünschen…  Warum funktioniert das buy-in nicht?

Vielleicht, weil die Bereitstellung einer Kaffeemaschine an sich weder ein hinreichendes noch ein notwendiges Kriterium für strategischen Dialog darstellt?

Was tun? Angenommen, Sie möchten einen strategischen Dialog in Ihrem Unternehmen führen. Wollen Sie das wirklich? Hand aufs Herz… Sie wollen? Dann brauchen Sie nicht nur ungestörte Gelegenheiten für sinnvolle Gespräche, sondern auch Vertrauen… aber wie kann das in der Praxis aussehen, wenn in der Vergangenheit allzuoft Erwartungen enttäuscht wurden? Es braucht Zeit. Aber nicht nur. Ein paar Hinweise:

  • Ein “versichernder Rahmen” fördert Bereitschaft zum Dialog: Ein Anfang wäre, Regeln für den Dialog und die Verwendung der Ergebnisse vorab zu klären. Wer entscheidet auf welcher Basis – und wer trägt das Risiko der Entscheidung? Wird diese Aufteilung von Ihren Mitarbeitern als fair wahrgenommen?
  • Was ist Ihr Anliegen? Sie brauchen eine spannende Frage und das Bewusstsein, dass der Kontext, in dem die Frage gestellt wird, Einfluss auf die Dialogbereitschaft hat. Zum Beispiel das Thema “alternde Belegschaft” wird wohl andere Rektionen hervorrufen, wenn es im Rahmen von Stellenabbau oder wenn es mit Nutzung der Erfahrung für Innovation besprochen wird. Welche Signale geben Sie bezüglich Ihres Anliegens?
  • Wer wird eingeladen – und nach welchen Kriterien? Welche Einladung sprechen Sie aus? Und welche Signale senden Sie mit der Einladung? Wird Wertschätzung deutlich? Wird klar, welche Ziele Sie mit dem Dialog verfolgen? Und wie gestalten Sie den Dialog-Prozess?
  • Feiern Sie “Erntedank”? Sehen Sie, was Sie gemeinsam erreicht haben? … und kommen Sie in die Lernschleife – es tun, reflektieren, es wieder tun, ander tun, …?

Und Sie? Welche Erfahrungen haben Sie mit strategischem Dialog gemacht?

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  1. Pingback: mit dem Chef in der Kaffeebar?